ISSN 1980-8372

REVISTA ELETRÔNICA ESTUDOS HEGELIANOS

Revista Semestral do Sociedade Hegel Brasileira - SHB

Ano 2º - N.º 02 Junho de 2005

 

 

 

 

 

 

I - M E T A F I SIK UND KRITIK
Feuerbach - Kritik des Anfangs der Philosophie Hegels in der Logik und der Phänomenologie des Geistes

Prof.Dr. Eduardo Ferreira Chagas (Bundesuniversität von Ceará aus Brasilien - UFC)

 

 

Als eine bestimmte Zeiterscheinung beginnt jede Philosophie daher schon mit einer Voraussetzung; aber was ist die Voraussetzung am Beginn der Philosophie: Ich oder Nicht-Ich, Denken oder Sein, Geist oder Natur? Während Feuerbach mit dem wirklichen, konkreten, sinnlichen Sein beginnt, geht Hegel vom leeren Sein aus und von da steigt er zum Begriff des absoluten Geistes auf. Wie bekannt beginnt Hegel, namentlich in seiner Logik, mit keinem partikulären Anfang, sondern mit dem reinen Unbestimmten, Unmittelbaren, Allgemeinen, d.h. mit dem reinen Sein oder dem Anfang selbst. Von diesem Standpunkt aus könnte man nun die Frage aufwerfen, ob aber dieser Anfang nicht schon eine Voraussetzung impliziert, weil er ja absolut voraussetzungslos sein muss? Oder auch: Ist es nicht bereits eine Voraussetzung, dass die Philosophie Hegels einen Anfang machen muss? Der Anfang, womit die Philosophie beginnen soll, hat nach Feuerbach eine besondere Bedeutung, die Bedeutung des an sich Ersten. Der Begriff des Anfangs ist deswegen für ihn schon ein Objekt der Kritik, nicht unmittelbar wahr und allgemein gültig. Hegel beginnt, wie erwähnt, mit dem reinen Sein oder, anders gesagt, mit dem Begriff des Seins oder dem abstrakten, leeren Sein selbst, durch das er den ersten Grundsatz der Philosophie, das wissenschaftlich Erste, festlegen will. Im Gegensatz zu Hegel fragt Feuerbach in seiner Schrift Zur Kritik der Hegelschen Philosophie: Soll das Prinzip des Philosophierens, wie Hegel es konzipiert, der abstrakte Begriff des Seins sein? "Warum soll ich nicht mit dem Sein selbst, d.h. dem wirklichen Sein, beginnen können? Oder warum nicht mit der Vernunft, da das Sein, inwiefern es gedacht wird, wie es Gegenstand in der 'Logik' ist, mich unmittelbar auf die Vernunft zurückwirft?" (Feuerbach 1970: S. 23-24) Oder auch: Wenn Hegel mit dem absoluten Geist (mit der Vernunft, dem absoluten Wissen) beginnt, fängt er dann nicht schon mit einer Voraussetzung an? Bevor ich die Grundlagen der Kritik Feuerbachs an der Hegelschen Philosophie weiter analysiere, soll eine Darstellung des Anfangs der Logik Hegels, die als Basis und Vermittlung dienen wird, den Kontext und den Ausgangspunkt der Argumentation Feuerbachs im Kontrast zu Hegel bestimmen. Hegel beginnt seine Wissenschaft der Logik mit der Kategorie der Qualität, deren erstes Moment nicht die Bestimmtheit, sondern ihre Abstraktion, d.h. das reine, unbestimmte und unbeschränkte Sein ist. Die Logik fängt also mit dem an, was die Natur des Anfangs konstituiert, d.h. mit dem Einfachen, Unbestimmten. Indem jedes Ding in seinem Anfang einfach ist, und da der Gegenstand der Logik für Hegel das Wirkliche ist, ist damit das Sein in seiner Einfachheit der Anfang seiner Logik. Dieses erste Sein, abstrahiert von allem Inhalt ("die reine Unbestimmtheit und Leere"), geht nicht aus einer Trennung, Bestimmtheit oder Beschaffenheit hervor, denn jede Bestimmtheit setzt eine Unterscheidung, eine Reihe von Vermittlungen voraus. Das unbestimmte Sein ist eine Abstraktion, "sich selbst gleich", ohne "Verschiedenheit innerhalb seiner" selbst, damit drückt es keinen bestimmten Zustand aus, obwohl es doch die Möglichkeit aller Zustände ist. Insofern das unmittelbare Sein die Verneinung einer Beschränkung, Eigenschaft oder Bestimmtheit darstellt, kann man es auch das Positive nennen, d.h. reine position, reine Bejahung, reine Identität mit sich selbst oder nur in Beziehung auf sich selbst gesetzt. Dieses Sein als Positives ist nicht begrenzt, daher enthält es in seiner Form alles, d.h. auch die Einheit der unterschiedlichen Bestimmtheiten, aller Dinge, aller Wesen. Das erste Sein der Logik, gedacht als Möglichkeit oder Einheit aller Bestimmtheit, ist ein Affirmatives, Positives, aber als Auflösung und Negation aller Bestimmung ist es zugleich ein Negatives, gleichsam ein Nichts, das Nichts selbst. Das Sein ist Bejahung, aber als eine Bejahung, die in sich die Verneinung aller Bestimmtheit enthält, gründet es auf einer reinen Negation, auf dem Nichts. Der Gegensatz zum Sein ist das Nichtsein, das Nichts, anders gesagt, den Gegensatz zum Positiven bildet das Nichts. Aber in seiner Abstraktion oder Unbestimmtheit ist das Sein vom Nichts nicht zu differenzieren, denn wenn es noch nicht Etwas, wie z.B. ein Ding, eine Bestimmtheit oder Beschaffenheit, ist, dann ist es in sich selbst Nichts. "Das Seyn, das unbestimmte Unmittelbare ist in der That Nichts, und nicht mehr noch weniger als Nichts" (Hegel 1999: S. 69). Das Nichts existiert als Nichts, als die absolute Nichtigkeit, und nicht als Etwas, weil es die "vollkommene Leerheit (...) und Inhaltslosigkeit" (Hegel 1999: S. 69), d.h. das Nichts, das an sich keine Bestimmtheit oder keinen Unterschied hat, ist. Im Sein findet man schon den Übergang zum Nichts, weil in seinem Begriff das Nichts enthalten ist, und umgekehrt. Das Sein besteht nicht im Gegensatz zum Nichts, nicht von ihm getrennt und für sich selbständig, sondern beide bilden eine Einheit. Wenn im Sein nicht das Nichts enthalten wäre, wie könnte Etwas vergehen und entstehen? "Das reine Seyn und das reine Nichts ist also dasselbe. Was die Wahrheit ist, ist weder das Seyn, noch das Nichts, sondern daß das Seyn in Nichts, und das Nichts in Seyn, - nicht übergeht, - sondern übergegangen ist." (Hegel 1999: S. 69) Es geht hier nicht um die Zeit, sondern schlechthin um die Natur des Seins selbst (die innere, logische Zeit), die die unbestimmte Unmittelbarkeit des Seins zerstört. Die Zeit ist nur die Erscheinung hiervon, d.h. von der Zerstörung der Dinge oder, mit andern Worten, sie ist die Offenbarungsform, in der die Einheit von Sein und Nichts als Dasein sich äußert. Das reine Sein, - d.h. das von allem Inhalt abgesonderte Sein, das Verneinung der Bestimmtheit und Qualität ist, welche wiederum Verneinungen sind, - als die Verneinung der Verneinung ist das Positive, d.h. die absolute Affirmation, in der das Moment der absoluten Negation (das Nichts) inbegriffen ist. Das reine (oder das abstrakte) Sein als die Negation aller Negation (=Bestimmtheit, Qualität) ist die Quelle aller Verneinung, die sogar es selbst negiert. Auf diese Weise sind das reine Sein und das Nichts nicht vom Werden unterschieden, denn nach Hegel "ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in dem andern; das Werden, eine Bewegung, worin beyde unterschieden sind, aber durch einen Unterschied, der sich eben so unmittelbar aufgelöst hat." (Hegel 1999: S.69-70) Das Werden ist daher die Einheit von Sein und Nichts, oder, besser gesagt, sowohl das Vergehen als auch das Entstehen in Einem. Hegel weist auf diese Einheit (=das Werden) hin, weil sie eine "bestimmte Einheit" ausmacht, in der "sowohl Seyn als Nichts ist" (Hegel 1999: S. 92). D.h. das Werden ist die Einheit einer doppelten Einheit, bei der "die eine das Seyn als unmittelbar und als Beziehung auf das Nichts; die andere das Nichts als unmittelbar und als Beziehung auf das Seyn" darstellt (Hegel 1999: S. 93). Eine derartige Einheit konstituiert sich wie folgt: Sie ist einerseits "anfangend vom Nichts, das sich auf das Seyn bezieht, das heißt, in dasselbe übergeht, andererseits ist das Seyn als unmittelbar gesetzt, d.i. sie ist anfangend vom Seyn, das in das Nichts übergeht, - Entstehen und Vergehen." (Hegel 1999: S. 93) Das Sein geht demnach in das Nichts über (=Vergehen), und das Nichts, betrachtet als das Gegenteil des Seins, geht in Sein über (=Entstehen). Folgt man dieser Argumentation, ließen sich nun die folgenden Fragen an Hegel formulieren: Wenn tatsächlich zwischen Sein und Nichts die von ihm postulierte Identität besteht, wie kann dann aus dieser Einheit etwas hervorgehen? Ist das Resultat aus dieser Bewegung nicht eigentlich gleich Null (res nullus)? Die Antwort Hegels lautet: "Diß Resultat ist das Verschwundenseyn, aber nicht als Nichts; so wäre es nur ein Rückfall in die eine der schon aufgehobenen Bestimmungen, nicht Resultat des Nichts und des Seyns. Es ist die zur ruhigen Einfachheit gewordene Einheit des Seyns und Nichts. Die ruhige Einfachheit aber ist Seyn, jedoch ebenso, nicht mehr für sich, sondern als Bestimmung des Ganzen." (Hegel 1999: S. 94) Aus dieser inneren Bewegung des Seins und des Nichts resultiert die Einheit bzw. das Werden, denn das Sein sowie das Nichts hat kein Bestehen, keine Bestimmtheit, kein Dasein, sondern nur das Widersprechende bzw. nur das Werden. "Das Gleichgewicht, worein sich Entstehen und Vergehen setzen, ist zunächst das Werden selbst. Aber dieses geht eben so in ruhige Einheit zusammen. Seyn und Nichts sind in ihm nur als verschwindende". (Hegel 1999: S. 93) So erscheint hier ein neuer Begriff, nämlich das Werden, das sich als das Ganze bzw. als die Einheit des Seins und des Nichts zeigt. Vom Werden aus betrachtet, (=dem Ganzen des Ganzen) sind Sein und Nichts also nur Momente eines sich permanent wiederholenden Prozessgeschehens. Das Werden bedeutet weder das Sein noch das Nichts, sondern es schließt beide zugleich als Bewegung, als Übergang, in sich ein. Das Werden ist "eine haltungslose Unruhe, die in ein ruhiges Resultat zusammensinkt." (Hegel 1999: S. 93) "Es widerspricht sich", sagt Hegel, "also in sich selbst, weil es solches in sich vereint, das sich entgegengesetzt ist; eine solche Vereinung aber zerstört sich." (Hegel 1999: S. 93-94) Also ist das Werden zunächst nicht Bestimmtheit, aber insofern es "das Verschwinden von Seyn in Nichts, und von Nichts in Seyn" (Hegel 1999: S. (Hegel 1999: S. 93) ist, ist es zugleich das Verschwinden von sich selbst, und damit wird es Dasein. Das Dasein ist demgemäß also weder erstes, reines, unmittelbares, abstraktes Sein, noch reines Nichts, sondern die Aufhebung der Unbestimmtheit von beidem, daher ist es das bestimmte, vermittelte, gesetzte Sein. Es lässt sich nun fragen, ob der Anfang als Voraussetzung, wie er in der Wissenschaft der Logik aufgefasst wird, tatsächlich einen allgemeinen, absolut notwendigen Anfang markiert? Oder anders gefragt: Ob es nicht doch wieder nur ein bestimmter Anfang ist? Diese Fragestellung hängt einer Bemerkung Feuerbachs zufolge mit der Frage nach einem ersten Grundsatz der Philosophie, d.h. nach den Prämissen zusammen, weil das Interesse der ersten Philosophen, die zugleich Naturforscher waren, im Wesentlichen kein formales, sondern ein materielles war. Für solche Philosophen begann die Philosophie nicht mit einem Ende, das später Realität geworden ist, sondern schon mit der Realität selbst. Hegel schließt mit dem Anfang gleichzeitig das Ende ein, denn seine Philosophie als vollendeter Ausdruck der Freiheit des Geistes ist streng genommen ein System, das sich nicht auf die sinnliche Anschauung, sondern auf das sich selbst denkende Denken stützt; darum ist das, was zunächst ist, zuletzt auch dasselbe für sich selbst, und so geht das Ende in den Anfang zurück. Für Hegel entwickelt sich das Spätere (das Ende) aus dem Früheren (dem Anfang), denn in diesem sind bereits an sich all die innerlichen Bestimmungen enthalten, die das Spätere ausmachen. Das Geheimnis der Logik Hegels besteht also darin, dass das Spätere, das aus dem Früheren entwickelt und verwirklicht wird, schon im Früheren enthalten ist. "Schon das als Erste gesetzte Sein", wie Rawidowicz schreibt, "heißt realiter absolute Idee, formaliter Sein, - 'der Anfang das Ende, das Ende der Anfang'". (Rawidowicz 1964: S. 77) Hegels System läuft nicht linear bis ins Unendliche fort, sondern kommt am Ende auf seinen Anfang zurück. Dieser Rückgang vom Ende auf den Anfang darf, wie gesagt, nicht zeitlich, sondern muss vielmehr logisch verstanden werden. Hegels Logik ist vom Anfang bis zum Ende konsequent, denn indem ihr Anfang das Unbestimmte ist, hat der Fortgang die Bedeutung der Bestimmung. Der Fortgang ist jedoch ein Rückgang, weil man wieder auf das zurückkommen kann, wovon man ausgegangen ist. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das Sein, auf das man zurückkommt, jetzt nicht mehr das anfängliche, unbestimmte Sein, sondern ein vermitteltes Sein ist, folglich nicht mehr dasselbe abstrakte, reine Sein. Am Schluss führt daher die Hegelsche Logik das vermittelte, bestimmte Sein als dargestelltes Wissen auf das unmittelbare Wissen zurück. "Wer", wie Braun sagt, "die Logik Hegels liest", der "kehrt am Ende der Lektüre zum Anfang zurück." (Braun 1971: S. 72) Die Logik Hegels setzt also die Vermittlung, den Prozess als etwas ihr Immanentes, in ihr selbst Enthaltenes voraus, der sich in der Entfaltung des absoluten Geistes als Einheit von Anfang (dem Früheren) und Ende (dem Späteren), d.h. als Eines und Alles zeigt. Es geht hier für Hegel nicht um eine logische Schöpfung aus dem Nichts, sondern nur um eine Entwicklung, eine gleichsam noch unbestimmte, aber zu aller Bestimmung fähige. Der Anfang der Philosophie Hegels ist das Erste, d.h. der Anfang nur für ihre Darstellung, aber nicht für den absoluten Geist, da dieser, sei es in der Wissenschaft der Logik, sei es in der Phänomenologie des Geistes, vor der Darstellung vorausgesetzt werden muss. Aber demzufolge ist der Anfang der Hegelschen Philosophie nicht voraussetzungslos, weil sich hier schon eine Voraussetzung der Demonstration offenbart, nämlich, diejenige, dass der absolute Geist früher als seine eigene Darstellung angenommen wird. Dadurch, dass der absolute Geist, der sich durch den Vermittlungsprozess bestimmt, das Erste oder das Unmittelbare ist, in dem alles aufgegangen sein muss, macht die Darstellung der Hegelschen Philosophie auch ein Gesetztes, ein Abhängiges, ein Vermitteltes aus. Zum Beispiel geht Hegel nicht von der Natur, vom wirklichen, sinnlichen Sein, sondern vom allgemeinen Begriff des Seins, vom abstrakten Sein aus; denn das Sein, mit dem er die Logik beginnt, ist leer in sich selbst und enthält für sich keinen konkreten Anhaltspunkt in der Realität. "'Das Sein", von dem Hegel ausgeht, ist zunächst "'das Unmittelbare, das Unbestimmte, das sich selbst Gleiche, das mit sich Identische, das Unterschiedslose.'" (Feuerbach 1970: S. 35) Man könnte jedoch fragen, wie die Logik Hegels ein Unmittelbares, ein mit sich selbst Identisches besitzen kann, wenn die Begriffe der Unmittelbarkeit, Unbestimmtheit, Identität hier schon vorausgesetzt werden? Kann das Sein eine andere Bedeutung, als die des wirklichen, konkreten Seins, des Seienden enthalten? Was ist das Sein eigentlich, getrennt von seinem Dasein oder seiner Wirklichkeit? Die Antwort Hegels lautet: Das Nichts, das mit der Abstraktion des Seins identisch ist. "'Das Sein geht über in nichts: Es verschwindet unmittelbar in sein Gegenteil, ihre Wahrheit ist diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens.'" (Feuerbacha 1970: S.35) Ist aber diese Unterscheidung (d.h. die Absonderung des abstrakten Seins vom Nichts) etwas? Diese ersten Bemerkungen zur Logik Hegels zeigen, dass hier schon Vorstellungen vorausgesetzt werden, denn "das Verschwinden" des Seins im Nichts (Vergehen) und des Nichts im Sein (Enstehen) sind selbst ja sinnliche Vorstellungen. Wenn Hegel behauptet: "'Das Werden ist Unruhe, die unruhige Einheit von Sein und Nichts; das Dasein die zur Ruhe gekommene'" (Feuerbach 1970: S. 35) Einheit, wird in diesem Moment zumindest die Vorstellung von der Ruhe vorausgesetzt. Vorstellungen, wie die der Begriffe: Unmittelbarkeit, Unbestimmtheit, Gleichheit, Identität, Ruhe, Bewegung usw., sind zweifellos die notwendigen Mittel, durch die das reine Sein als das Erste erkannt wurde. Es geht hier also primär darum festzustellen, ob das reine Sein in Wahrheit ein Unmittelbares ist. Das Sein, mit dem die Wissenschaft der Logik Hegels beginnt, setzt die absolute Idee voraus, d.h. es hat, wie wir noch zeigen werden, die Phänomenologie des Geistes zur Voraussetzung. Hierzu bemerkt Feuerbach folgendes: "Wer einmal sich in das Sein der 'Logik' am Anfang findet, der findet sich nun auch in die Idee; wem dieses Sein sich beweist, dem hat sich per se [ebendamit] auch schon die Idee bewiesen." (Feuerbach 1970: S.36) Der Vorwurf Feuerbachs gegen Hegel besteht nun prinzipiell darin, dass Hegel von der absoluten Identität des Denkens in sich und mit sich selbst, mit dem Gedanken, d.h. von dieser Einseitigkeit des Denkens als Einheit und Identität von Denken und Sein, von Idealem und Realem ausgeht, dass das Sein bei ihm nur eine Abstraktion ist, der gar nichts Reales entspräche, weshalb es nichts weiter als das unbestimmte, leere, reine Sein ist. Im Gegensatz zur Logik Hegels, in der im Prinzip ein unüberbrückbarer Widerspruch zwischen abstraktem und wirklichem Sein, zwischen dem Logischen und dem Sinnlichen liegt, will Feuerbach den Zwiespalt zwischen dem Denken und dem Sein auflösen; darum interpretiert er schon hier das Wesen des Seins als Wesen des Seienden, der Natur. Hierzu erklärt er: "Ich habe den Begriff des Seins vom Sein selbst; aber alles Sein ist bestimmtes Sein, - daher setze ich auch, im Vorbeigehen gesagt, das Nichts, welches bedeutet: nicht etwas, dem Sein entgegen, weil ich stets und unzertrennlich mit dem Sein das Etwas verbinde". (Feuerbach 1970: S. S. 36-37) Diese Erklärungen reichen aus, um zu erkennen, dass der Begriff des Seins, den Hegel in der Logik als eine reine Abstraktion setzt, aus dem jede Bestimmtheit und damit auch jeder Inhalt ausgeschlossen wird, nicht mehr haltbar und darum aus Feuerbachs Sicht nicht mehr der Begriff des Seins ist. Feuerbach negiert hier in seiner Kritik an Hegel diese logische Identität von Sein und Denken, denn nur das konkrete, wirkliche, sinnliche Sein ist für ihn Sein, weil in seinem Seinsbegriff schon der Begriff der Existenz, Bestimmtheit, Wirklichkeit oder Objektivität impliziert ist. Der Anspruch der Hegelschen Philosophie besteht auch darin, das Absolute als eine Einheit von Denken (Geist) und Sein (Natur) zu begreifen; aber diese Einheit bleibt noch formal, weil Hegel das "Sekundäre" (den Geist) zum Primären macht. Der Philosophie Hegels gehört eigentlich nichts weiter als die Form an, denn die Einheit zwischen Subjektivem und Objektivem, auf der sie basiert, erscheint unfruchtbar, weil alle Differenz zwischen Subjekt und Objekt in dieser Einheit aufgehoben wurde. Am Anfang der Logik sieht man diesen Mangel schon deutlich daran, dass Hegel mit dem Begriff des Nichts beginnt, ohne ihn zu differenzieren. Warum fängt er aber mit dem Nichts an? Was bedeutet für ihn das Nichts ? Hat es irgendeinen Inhalt? Ermöglicht es, wie er meint, den Übergang des Seins zum Dasein? "'Das Nichts'", wie Hegel es begreift, "'ist einfache Gleichheit mit sich selbst.'" (Feuerbach 1970: S. 55) Dagegen wendet Feuerbach ein, dass die Einfachheit, die Gleichheit mit sich selbst bereits reale Bestimmungen sind, so dass das Nichts mit diesen Setzungen faktisch negiert wird. Aber Hegel behauptet weiter: "'Das Nichts ist vollkommene Leerheit, Bestimmungs- und Inhaltslosigkeit, Ununterschiedenheit in ihm selbst.'" (Feuerbach 1970: S. 55) Feuerbach lehnt auch diese Auffassung des Nichts ab, weil die Leerheit bereits etwas ausdrückt, das in sich eine bestimmte "Capacität" oder Möglichkeit enthält. Ebenso kann das Nichts als das Inhalts- und Bestimmungslose nicht begriffen werden, weil es vom Bestimmungslosen keinen Begriff gibt. Feuerbach meint, wie Aristoteles, dass das Nichts dasjenige ist, dem kein Begriff entspricht. In der Zweiten Analytik erklärt Aristoteles, dass das "Nicht-Seiende" (das Nichts) keine Prädikate hat, darum kann es prinzipiell von ihm keine Erkenntnis geben. Feuerbach erkennt den Gegensatz zwischen Sein und Nichts, d.h. den Anfang der Logik Hegels nicht an, denn wenn das Nichts gedacht würde, würde es bestimmt, aber damit wäre es nicht mehr Nichts. "Wer nichts denkt", schreibt Feuerbach, "denkt eben nicht." (Feuerbach 1970: S. 55) Aber sobald man denkt, wird schon Etwas gedacht, deshalb bedeutet Denken bereits das Gegenteil von Nichts. Feuerbach führt hierzu weiter aus: "Das Denken kann nicht über das Seiende hinaus, weil es nicht über sich selbst hinaus kann, weil nur Sein zu setzen Vernunft ist, weil nur dieses oder jenes Sein, aber nicht das Sein selbst als geworden gedacht werden kann." (Feuerbach 1970: S. 54-55) Das Denken des Nichts ist de facto ein sich selbst widerlegendes Denken, weil das Nichts die Negation des Denkens ist. Wenn das Nichts nicht ein Etwas ist, das schon eine Bestimmung des Denkens ist, sondern nur die "absolute Willkür" und "Gedankenlosigkeit" ausdrückt, ist das Denken, wie Feuerbach argumentiert, eine schlechthin determinierte, d.h. affirmative Tätigkeit, weil Denken, was auch Hegel anerkennt, Bestimmen ist. So wird klar, dass die Behauptung des Nichts als Gegensatz zum Sein eine Grenze, einen Mangel voraussetzt, und deshalb gilt Feuerbach nur das empirische Sein (der Inhalt, die Bestimmung, die Natur usw.) als das Positive und das Erste, worauf das Denken sich stützt und gegründet sein soll. Demnach konstituiert das Etwas, aber nicht das Nichts, wie in Hegels Logik, ein tatsächlicher Gegensatz zwischen wirklichem und spekulativen, bloß gedachten Sein konstitutiv ist. Sein, betont Feuerbach, ist nicht zu isolieren von Etwas, denn es ist stets bestimmtes Sein, d.h. etwas an sich und für sich selbst. Man könnte in diesem Kontext, um Hegels Position zu stützen, noch argumentieren, dass das Nichts bei Hegel doch einen Unterschied, einen Inhalt einschließt, insofern es "'angeschaut oder gedacht wird. Nichts anschauen oder denken hat also eine Bedeutung; nichts ist in unserm Anschauen oder Denken, oder vielmehr es ist das leere Denken und Anschauen selbst.'" (Feuerbach 1970: S. 56-57) Aber das leere Denken ist nach Feuerbach kein wirkliches Denken, darum ist es in der Tat kein Denken. "Nichts" denken hat die Bedeutung, dass es kein Denken ist, und daraus folgt, dass eine objektive Bedeutung des Nichts hier ausgeschlossen wird. Ebenso könnte "nichts wissen" auch "Wissen" bedeuten, insofern man von einem Unwissen sprechen kann. Feuerbach illustriert dies folgendermaßen: "wenn ich (...) sage: Er weiß nichts, [könnte man] entgegnen: Also schreibst du ihm doch Wissen zu; er weiß nichts, er ist also nicht unwissend." (Feuerbach 1970: S. 57) So betrachtet ist das Nichts nur ein Ausdruck für nichts Bestimmtes, weil es sich durch sich selbst widerspricht oder widerlegt. Aber man könnte, wie Hegel, wieder einwenden, dass das Nichts doch im Denken, Vorstellen usw. sein Sein hat, darum existiert es notwendig. Ironisch fragt Feuerbach hier zurück: "Zugegeben, daß es in unserm Vorstellen, Einbilden vorkommt: gehört es deswegen in die Logik? Auch das Gespenst kommt in unserm Vorstellen vor, gehört es aber deswegen als ein wirkliches ens [Wesen] etwa in die Psychologie?" (Feuerbach 1970: S. 57) Das Nichts ist ein Wesen, das kein Gedanke, kein Wesen ist, d.h. es gilt, wie Hegel selbst erkennt, als die reine "Abwesenheit" des Seins, das "nihil privatus", so wie "die Finsternis" die Abwesenheit des "Lichts" sei. So enthält das Nichts als Gegensatz des Seins, in der Form, in der es am Anfang der Logik erscheint, keine Kraft, keine Substantialität, weil der actus (der Akt) einer Möglichkeit, einer potentia, um die Realität zu begründen, nicht im Nichts, sondern im sinnlichen Sein, in der Natur liegt. Der Gegensatz, der zwischen dem Sein und dem Nichts existiert, kann somit folgendermaßen beschrieben werden: Das Sein ist wohl in der Wirklichkeit vorhanden, weil es selbst das Wirkliche, das Selbständige ist; aber das Nichts, das Nichtsein gibt es nur in der Abstraktion oder Reflexion. So verstanden widerspricht dem logischen Sein eigentlich nicht das Nichts, was Hegel hier konstatiert, sondern das konkrete Sein, denn das sinnliche Sein leugnet zweifellos das reine, abstrakte Sein, d.h. jenes widerspricht diesem, und dieses jenem. Hegel hätte diesen Widerspruch auflösen müssen, um die Realität des logischen Seins zu beweisen, d.h. den Beweis führen müssen, dass es "keine [irreale] Abstraktion" ist. Stattdessen beginnt die Hegelsche Philosophie mit einem bloßen Formalismus, mit einem abstrakten Kriterium, das dem Absoluten nicht widerspricht, nicht mit seinem Gegensatz, d.h. nicht mit dem realen und objektiven Sein. Hegel setzt das Absolute als Wahrheit voraus, und der Vermittlungsprozess hat bei ihm die Bedeutung der Entwicklung des Absoluten bzw. des Geistes selbst, damit wird die Natur, die Wirklichkeit (das Objekt) lediglich zu einem Resultat des vermittelnden Geistes degradiert. Was Hegel als Vermittlungsstufen, wie z.B. den Anfang des Seins und seine Konkretionen, das Wesen, die Existenz usw., ansetzt, hat er schon aus dem Absoluten (der absoluten Idee) abgeleitet und bestimmt; und darum ist das konkrete Sein bei ihm nicht der wahre Anfang, das faktisch Erste; das Sein als die erste, einfache Bestimmung ist vielmehr der Anfang, der schon von der Idee vorausgesetzt wird. "Das Sein, das Wesen ist die Idee, aber sie gesteht es noch nicht ein, daß sie es ist; sie bewahrt das Geheimnis noch für sich." (Feuerbach 1970: S. 41) Das Sein ist schon die Gewissheit der absoluten Idee, d.h. es ist nichts anderes als die unentwickelte Idee oder die Idee in der Form ihrer Unmittelbarkeit. Da das eigentliche Sein bei Hegel das ausgedachte Sein, d.h. die Idee ist, ist sein Beweis damit auch der Beweis der Idee, des Absoluten, welches sich nur auf sich selbst stützt und deshalb von sich lediglich einen subjektiven Beweis hat. Die absolute Idee beweist sich nicht durch ein wirkliches, empirisches Sein, weil sie sich aus einem logisch-formalen Gegensatz, einer scheinbaren Antithese erzeugt. Feuerbach wendet dagegen Folgendes ein: Ein Beweis auf dem Gebiet der Philosophie ist dadurch charakterisiert, dass ein Gedanke wahr, real, objektiv ist, insofern er durch die sinnliche Anschauung bestimmt wird und sich nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf sein Gegenteil, sein Anderes bezieht, das die Natur, das konkrete Sein ist. Denn nur die sinnliche Anschauung verweist auf ein Anderes, d.h. auf die Objektivität eines Fürsichseins. Wie Reitemeyer hervorhebt, bewährt sich "'der Gedanke durch die Sinnlichkeit'", das heißt: "er stellt seine Wahrheit, seinen bestimmten Inhalt sinnlich unter Beweis. Die sinnliche Anschauung ist Kriterium seiner Wahrheit, oder die Wahrheit des Gedankens ist die Wahrheit der Sinnlichkeit." (Reitemeyer 1988: S. 76) Ausgehend von diesen Betrachtungen kann daher behauptet werden, dass die Hegelsche Philosophie denselben Irrtum begeht, dem die alte und neuzeitliche Philosophie verfallen ist, nämlich den der Sinn- und Wirklichkeitsfeindlichkeit; sie macht, anders gesagt, den Fehler eines unvermittelten Bruches mit der konkreten, sinnlichen Anschauung, mit der Sinnlichkeit (der "Nichtphilosophie"), die die notwendige Voraussetzung ausmacht, um eine Verbindung zur Natur herzustellen. Der Wissenschaft der Logik liegt, wie erwähnt wurde, die Phänomenologie des Geistes zu Grunde, darum ist ihr Anfang ein neuer Anfang, der vorher schon begonnen wurde. Es soll nun darum gehen, ob jener fundamentale Fehler, nämlich der Bruch mit der Sinnlichkeit oder der sinnlichen Anschauung, der sich in der Logik aufgezeigt hat, auch in der Phänomenologie aufgewiesen werden kann. Steht das Sein der Phänomenologie, sowie das Sein der Logik, im direkten Widerspruch mit dem realen Sein? Mit anderen Worten: Hat Hegel in der Phänomenologie aus dem Anderssein des Denkens (dem sinnlichen Sein) oder aus der Idee selbst die Idee (den Gedanken) erzeugt? Hegel geht, wie gezeigt, nicht vom Sein, von der Natur als einer konkreten, selbständigen Andersheit aus, sondern nur vom Gedanken des Andersseins des Denkens, d.h. vom Gegensatz von Geist und Natur. Die Natur "ist für sich", schreibt Hegel, "das Andere des Geistes, und der Geist ist als Natur selbst unendlich". Die Totalität der Natur ist für ihn "der als Andre seiner selbst sich darstellende Geist." (Hegel 1982: S. 196) Feuerbach interpretiert hier das Anderssein des Denkens bzw. die Natur nicht als eine Konkretion des Geistes, nicht spekulativ, d.h. nicht in dem Sinne, dass das Denken sich selbst als Anderssein entfaltet. Er fasst vielmehr das Anderssein des Denkens nicht bloß als ein gedachtes Anderes, sondern als ein Anderes i.e. Natur, das mittels der Sinnlichkeit wahrgenommen werden kann. Damit will Feuerbach nicht nur den spekulativen Naturbegriff, sondern auch die Dialektik der sinnlichen Gewissheit bei Hegel widerlegen. Seiner Ansicht nach hat Hegel die Sinnlichkeit nicht richtig interpretiert, denn seine Phänomenologie, deren erstes Kapitel die sinnliche Gewissheit zum Inhalt hat, zeigt nur die Entfaltungsstufen des Bewusstseins, in denen dem Absoluten das sinnliche Sein (das Andere) hier und jetzt nicht als das wahre, reale Sein gilt, weil es sich ihm als ein vorübergehendes, unmittelbares Sein erweist. Hegel beginnt seine Argumentation folgendermaßen: Das Hier ist z.B. ein Baum, aber es kann auch ein Haus, ein Stein usw. sein. Gleiches gilt für das Jetzt: Das Jetzt ist z.B. Nacht, aber es dauert nicht lange, und es wird Tag. Damit ist die Wahrheit sowohl des Hier als auch des Jetzt bzw. die des sinnlichen Bewusstseins verschwunden, denn das Hier ist der Position Hegels zufolge "bleibend im Verschwinden des Hauses, Baumes und so fort, und gleichgültig Haus, Baum zu seyn" (Hegel 1999: S. 65), und das Jetzt zeigt sich also als ein allgemeines Jetzt, als ein einfaches (negatives) Vieles. Das unmittelbare "Dieses" (das einfache Sein) zeigt sich nach Hegel als ein Allgemeines, welches sich in der Sinnlichkeit (der sinnlichen Gewissheit) findet, aber es kann hier gar nicht ausgesprochen werden. Hegel drückt dies so aus: Da "das Allgemeine das Wahre der sinnlichen Gewißheit ist, und die Sprache nur dieses wahre ausdrückt, so ist es gar nicht möglich, daß wir ein sinnliches Seyn, das wir meynen, je sagen können." (Hegel 1999: S. 65) An dieser Stelle könnte man nun fragen: Bedeutet diese Hegelsche Argumentation tatsächlich eine dialektische Widerlegung der Realität der sinnlichen Gewissheit? Oder anders gefragt: Gilt der Umstand, daß das Sein, das Einzelne, sich nicht ausprechen lässt, Hegel als ein Beweis der "Irrealität" und Nichtigkeit des Seinenden und Einzelnen und der Realität des Allgemeinen? Aber hat er das Allgemeine dadurch schon als das Reale bewiesen? Demgemäß polemisiert Feuerbach gegen Hegel: "Mein Bruder heißt Johann Adolf; aber außer ihm sind und heißen noch unzählige andere auch Johann Adolf. Aber folgt daraus, daß mein Johann keine Realität ist, folgt daraus, daß die Johannheit eine Wahrheit ist?" (Feuerbach 1970: S. 43) Wie Feuerbach darlegt, beweist dies vielmehr nur den Mangel der Sprache an Namen für jedes Einzelne, nicht aber die Irrealität, die Nichtigkeit des Einzelnen und die Unwahrheit des Sinnlichen. Hegel spricht über ein allgemeines Hier, ein allgemeines Jetzt, aber warum nicht, fragt Feuerbach, über ein "Hierseiendes" oder ein "Jetztseiendes"? Man könnte, so Feuerbach, im Gegensatz zu Hegel sagen: Heute ist Jetzt, aber Morgen wird wieder Jetzt sein, und es ist ganz dasselbe Jetzt, wie das Gestrige. Ebenso kann man auch behaupten: Hier ist ein Baum, ein Haus usw., aber das Hier bleibt auch wieder als Hier. Das sinnliche Sein, das "Dieses" vergeht, aber es kommt an seiner Stelle wieder ein anderes Sein, das gleichfalls ein "Dieses" ist. Die Natur negiert beständig das sinnliche, einzelne Sein, aber zugleich widerlegt sie diese Negation, indem sie ein anderes Seiendes oder Einzelnes an seiner Stelle erschafft. So ist dem sinnlichen Bewusstsein, entgegen Hegel, das sinnliche Sein als unwandelbar, bleibend garantiert. Diese Überlegungen erlauben nun die Bemerkung, dass derselbe Zwiespalt, der sich am Anfang der Logik findet, auch sehr deutlich in der Phänomenologie erscheint. Dies betrifft insbesondere den Widerspruch zwischen dem Sein, wie es hier Gegenstand des Denkens ist, und dem Sein, wie es Gegenstand der sinnlichen Gewissheit ist. Das reale Hier, auf dem Feuerbach insistiert, erweist sich, wie das phänomenologische Hier (= Hegel), als ein Allgemeines, weil es de facto seinem Wesen nach schon ein Allgemeines ist. Aber dieses reale Hier unterscheidet sich von dem abstrakten, weil es ein begrenztes Hier ist. Hegel sagt hingegen: "Das Hier ist zum Beyspiel der Baum. Ich wende mich um, so ist diese Wahrheit verschwunden, und hat sich in die entgegengesetzte verkehrt: Das Hier ist nicht ein Baum, sondern vielmehr ein Haus." (Hegel 1999: S. 65) Feuerbach zeigt, dass diese Dialektik Hegels im wirklichen Leben nicht gilt; sie besteht nur in seiner Phänomenologie, denn in der Realität erweist sich das Hier dem Menschen auch "hinter seinem Rücken" noch als eine reale Existenz. Der erwähnte Baum existiert in Wahrheit "hinter seinen Rücken" bzw. er begrenzt den Platz, den er bereits einnimmt. "Dieser bestimmte Baum da jetzt und hier", so schreibt Braun, "hat für Feuerbach Realität. Er meint das der sinnlichen Gewißheit gegebene Einzelne, aber nicht das, was an demselben in Gedanken festgestellt und in Worten, mit Namen belegt werden kann als Allgemeines: Der Baum, das Haus." (Braun 1971: S. 79-80) Hegel widerlegt nicht das reale Hier, wie es Gegenstand der sinnlichen Gewissheit ist, sondern vielmehr lediglich das logische Hier, das logische Jetzt, wie es Gegenstand des reinen Denkens ist. Er denkt also nicht an die sinnliche Gewissheit, da diese für ihn nur einen Gegenstand des Selbstbewusstseins, des Gedankens ausmacht. So beginnt die Phänomenologie, genauso wie die Logik, nicht mit dem Anderssein des Denkens (d.h. der Natur, dem sinnlichen Sein), sondern mit einer unmittelbaren Voraussetzung ihrer selbst (i.e. dem Gedanken). Folglich mit einem Widerspruch zu ihrem eigenen Anfang bzw. zur sinnlichen Gewissheit. Von diesem Gesichtspunkt aus ist die Phänomenologie, kurz gesagt, nichts anderes als die "phänomenologische" Logik. Abgesehen von den verschiedenen Aspekten der Phänomenologie und der Logik hat Hegel seine Philosophie mit der Voraussetzung der Idee des Absoluten (oder des absoluten Geistes) begonnen, die ihm überhaupt nicht nur als eine, sondern als die absolute Wahrheit selbst gilt.

 

 


L I T E R A T U R V E R Z E I C H N I S

 

 

H. -J. Braun, H. -J.(1971): Ludwig Feuerbachs Lehre vom Menschen, Stuttgart-Bad Cannstatt 1972. Feuerbach, L: (1970): Zur Kritik der Hegelschen Philosophie, GW 9, Berlin 1970.
Hegel, F.(1999): Phänomenologie des Geistes, Hamburg 1999.
Hegel, F. (1999): Wissenschaft der Logik, Hamburg 1999.
Rawidowicz, S. (1964): Ludwig Feuerbachs Philosophie - Urspruch und Schicksal, Berlin 1964, S. 77.
Reitemeyer, U. (1988): Philosophie der Leiblichkeit. Ludwig Feuerbachs Esntwurf einer Philosophie der Zukunft, Frankfurt a. M. 1988.




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Revista Eletrônica Estudos Hegelianos